Bericht in der BZ vom 30. April 2005, Christian Werder

Die Storys eines Töff-Freaks

« Vollgas und Gegen-wind»: So heisst das erste Buch, das der stadtbekannte «Motorradschrauber» Peter Hutmacher geschrieben hat. Töffgeschichten auch für solche Leute, die nichts von Motorrädern verstehen.
« Nur einen Moment. Ich muss noch rasch einige Schrauben anziehen. Und dann mal schauen, ob die Maschine auch wieder richtig läuft.» Peter «Pesche» Hutmacher marschiert in den hinteren Teil seines Töffkellers beim Eigerplatz. Dort befindet sich die kleine Werkstatt, in der er schon Dutzende alter Motorräder restauriert hat. Er «chnüblet» irgendetwas und versucht dann, den Töff zu starten. Bambamm … bambamm … bambamm … Die Einzylinder Royal Enfield aus dem Jahr 1949 blubbert gemütlich vor sich. Und Pesche beginnt zu strahlen. «Super. Wenn das Wetter morgen mitmacht, werde ich mit ihr gleich eine kleine Tour unternehmen», freut er sich.


Er, 63-jährig, gerade mal 1 Meter 65 gross, zweifacher Vater und zweifacher Grossvater, Flächenmaler von Beruf mit eigenem Geschäft in der Matte, seit über 40 Jahren Töfffahrer, Töffsammler und Töffrestaurierer aus Leidenschaft – und frisch gebackener Autor.

Kein technisches Sachbuch

« Vollgas und Gegenwind» heisst das Buch des stadtbekannten Töfffreaks Pesche Hutmacher. Und es handelt – wie könnte es anders sein – vom Motorradfahren und allem Drumherum. In den 25 Kurzgeschichten geht es aber beileibe nicht bloss um Tempo, Technik und Pferdestärken. Hutmacher erzählt vielmehr Alltagsgeschichten, die er mit seinen Motorrädern erlebt hat. Er schreibt über skurrile Begebenheiten und über originelle Menschen, welche er in seinem Töffleben kennen gelernt hat. Oder darüber, wie man früher als Töfffahrer von vielen Leuten noch schräg angeschaut wurde. Oder warum eine seiner Maschinen plötzlich lichterloh brannte. Nicht zu vergessen die Story über einen früheren Arbeitgeber von Hutmacher, der weitaus lieber mit der Harley und seinem Angestellten in der Gegend herumkurvte, als zu malen. Und natürlich jene über seine erste Begegnung mit der Broncos-Legende Jimy Hofer.

« Ich wollte bewusst ein Buch schreiben, das auch Leute ansprechen kann, welche keine Ahnung von Töffs und vom Töfffahren haben», betont Hutmacher. Seine Geschichten sind in einer einfachen, klar verständlichen Sprache geschrieben. Mit viel Humor und immer einem Augenzwinkern. Die meisten der Erzählungen spielen in und um Bern und bieten muntere Zeitzeugnisse vergangener Tage.

«Eine spontane Idee»

Das Schreiben gehörte schon in jungen Jahren zu den Lieblingsbeschäftigungen von Pesche Hutmacher. Er verfasste zahlreiche Aufsätze, Gedichte und Kurzgeschichten. «Die Idee, ein Buch zu schreiben, kam aber eigentlich ganz spontan», erzählt er. Das war vor gut einem Jahr. Mit dem kleinen Berner Verlag Einfach Lesen von Rosmarie Bernasconi fand er auch eine Plattform für die Herausgabe und den Vertrieb des 190-Seiten- Werks. «Das Tolle beim Schreiben war, dass ich alle Geschichten nochmals erlebte», sagt Hutmacher. Viele Szenen habe er an den Originalschauplätzen nochmals rekonstruiert, oder er habe mit alten Kollegen die Details erläutert. «Wichtig war und ist für mich, dass insbesondere die Kleinigkeiten stimmen. Auch wenn die Storys oft Jahre zurückliegen», betont er. Und zum Buchtitel meint Pesche Hutmacher: «Dieser passt wirklich zu meinem Leben. Oft gab ich Vollgas, spürte aber auch immer wieder den Gegenwind.»

« Vollgas und Gegenwind»: Das Buch von Peter Hutmacher ist ab Anfang Mai in verschiedenen Buchhandlungen oder beim Verlag Einfach Lesen, Postfach 263, 3000 Bern 13 (www.einfachlesen.ch) erhältlich.

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