Bericht in der Berner Zeitung vom 8. November 2004
Urs Wüthrich
Motorräder sind Peter Hutmachers Leidenschaft. Er fährt nicht nur eine klassische Harley, sondern – rennmässig – auch auf historischen Maschinen. Neben den Rennstrecken hat er jede Menge anderer Dinge im Kopf.
Als er 1993 zu spät zur Gründungsversammlung des Harley-Clubs Old Bern kam, erhielt er Applaus. Die Sache sei bereits gelaufen, wurde ihm mitgeteilt, man habe ihn soeben einstimmig zum Präsidenten gewählt. «Es blieb mir nichts anderes übrig als anzunehmen», erinnert sich Peter Hutmacher und lacht. Von diesem Amt ist der heute 61-Jährige erst kürzlich zurückgetreten. Geblieben ist seine Liebe zu den Harleys, zu Motorrädern allgemein – und eine Urkunde, die ihn als Ehrenpräsidenten auszeichnet. Sie hängt in einem Kellerlokal in Bern, dort, wo sich Motorrad an Motorrad reiht; ein jedes abgestellt auf einem speziell zugeschnittenen Teppich im Afghan-Look. Unter den Motorenblöcken steht eine schwarze Plastikschale, und manchmal fällt ein Tröpfchen Öl hinein, denn die Maschinen sind alt.
Trotzdem sind sie alle in gutem Zustand und fahrtüchtig, restauriert und gepflegt: Raritäten wie die OK Supreme, eine über 50-jährige Royal Enfield, eine Morbidelli, oder die Velocette Venom 1958. Norton und Ducati heissen andere der über 20 Maschinen in diesem privaten Museum. Und dann steht da noch sein Paradepferd, der Töff, den Peter Hutmacher im Alltag fährt: Die Harley-Davidson Heritage, ein Fahrzeug aus limitierter Auflage, mit türkisfarbenem Tank. «Es ist die klassische US-Polizei-maschine der 50er-Jahre», sagt der Mann, der irgendwie nicht ins Bild des klassischen Harley-Fans passen will. Aber gibts den überhaupt? «Der typische Harley-Fahrer ist zwischen 40 und 50 Jahre alt, hat zwei Kinder und die Karriere abgeschlossen – und sich mit einem Harley einen Jugendtraum erfüllt», sagt Hutmacher. Das jedenfalls habe eine Umfrage ergeben. Also passt er doch ins Bild? Zwar ist er ein bisschen älter, aber als Besitzer eines Malergeschäftes und Vater von zwei erwachsenen Söhnen kommt passt die Beschreibung gut.
«Es gibt immer noch Leute», sagt er, die glauben, Harley-Fahrer seien vor allem Rocker und böse Jungs, dabei kommen die Fahrer aus allen sozialen Schichten, vom einfachen Arbeiter bis zum Bankdirektor.» Als Harley-Club-Präsident sei er einmal von einem Mitglied aus besseren Verhältnissen angefragt worden, wie man zu reagieren gedenke, sollte sich ein Rocker für die Mitgliedschaft interessieren. «Nun, habe ich gesagt, das sind alles meine Freunde.»
Zu seinen Freunden gehört auch Broncos-Legende Jimy Hofer, wobei die beiden Männer rein äusserlich ein ziemlich unterschiedliches Bild abgeben. Trotzdem haben der grosse, kräftige Hofer und der kaum 1,70 Meter kleine und 55 Kilogramm leichte Hutmacher mit den elegant nach hinten gekämmten, weissen Haaren Gleiches am Hut. Wie Hofer hat auch Hutmacher ein Buch geschrieben, beide für den Verlag «Einfach Lesen». Beides sind Erinnerungen aus ihrem Leben, Hutmachers Werk erscheint nächstes Jahr anlässlich der Basler Buchmesse. Als Leser bevorzugt Hutmacher klassische Literatur. Das Interesse daran hat bei ihm in jungen Jahren angefangen, als er – noch Lehrling – Kafkas «Prozess» in die Hände kriegte. «Das hat mich völlig umgehauen», erinnert sich Hutmacher – etwas, das seinen Gegnern kaum je gelungen ist. Denn Hutmacher hat in jener Zeit, bis zum Alter von 25 Jahren, in der Klasse Fliegengewicht geboxt, auch an der Schweizermeisterschaft. Er war einer der Besten, obschon er sein Talent heute unter den Scheffel stellt und seine Erfolge so erklärt: «In dieser Gewichtsklasse gabs damals allgemein nicht viele Boxer.»
Einen weniger harten Sport, wenngleich auch hier – wie beim Boxen – Technik und Taktik gefragt sind, wählte er dann später: Curling. Er spielte, gab Kurse, war Instruktor und präsidierte während Jahren einen Berner Curlingclub.
Mit 40 Jahren hatte er diesen Traum. «Ich wolllte mit 50 den Marathon von New York laufen.» Er lief ihn, in 3 Stunden 40 Minuten. In den letzten zehn Jahren ist Peter Hutmacher «auf der ganzen Welt gelaufen». Auf der «ganzen Welt» war und ist er auch unterwegs, wenn ein Klassiker-Motorradrennen angesagt ist: Nürburgring, Hockenheim, Monza, Isle of Man. Die wichtigsten Rennstrecken hat er im Kopf. Und die wichtigsten Rennmaschinen stehen in Bern.
«Menschen und ihre Hobbys» ist eine Serie: Der Porträtierte kann sich wünschen, über welches Hobby er etwas lesen möchte. Peter Hutmacher interessiert sich für einen Zirkus-Fan.
Berner Zeitung, Urs Wüthrich